DIE "METOO" - DEBATTE

Viele von uns haben von den Nötigungen und  Missbrauchsvorwürfen gehört oder in den sozialen Netzwerken darüber gelesen.

Ins rollen brachte dies die Schauspielerin Alyssa Milano mit ihrem Bekenntnis auf Twitter. Gleichzeitig fordert sie alle Betroffenen dazu auf, sich ebenso auf "# Metoo" zu Wort zu melden.

Die Reaktionen und die Anzahl der Betroffenen, die sich bis heute gemeldet haben, sprechen für sich. Immer mehr Menschen bekennen, dass sie schon einmal im Laufe ihres Lebens sexuell genötigt oder gar missbraucht wurden. Der Kurier berichtet, dass nach Umfragen (Jury Verein "Numeris") 41 % der Frauen in Österreich schon einmal Erfahrung mit sexuellen Übergriffen gemacht haben.

Einige fragen sich, warum die Vorwürfe erst jetzt bekannt werden, warum diese Frauen so lange geschwiegen haben....

Ich, als Psychologin, werde sehr oft gefragt, ob es da nicht Frauen geben könnte, die sich "wichtig machen" wollen. Es ist mir daher ein großes Anliegen etwas zur Diskussion beizutragen.

Warum schweigen Opfer nach sexuellen Übergriffen  ?

Viele Menschen fragen sich, warum jetzt, warum haben die Frauen nicht schon früher ihr Schweigen gebrochen?

Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da es meist viele Gründe dafür gibt warum Menschen, die Opfer von Gewalt wurden, so lange schweigen. Sexuelle Übergriffe sind immer mit Scham, Schuld und vielen Ängsten verbunden. Oft haben die Betroffenen Angst, dass ihnen niemand glaubt oder sie mit schuldig gemacht werden.

Es kommt immer wieder vor, dass Opfer für sexuelle Übergriffe selbst verantwortlich gemacht werden. Dann erleben sie zusätzlich zu ihrem Leid noch Geringschätzung und Missachtung, was das Leid nur noch vergrößert. So wird das Opfer zum Täter gemacht, eine sogenannte Täter-Opfer-Umkehr. In den sozialen Netzwerken oder im eigenen privaten Umfeld hört und liest man das nicht selten. Es wird damit spekuliert den Opfern Selbstverschulden, Freiwilligkeit, Übertreibung oder gar "Trittbrettfahrerei" zu unterstellen.

Ganz besonders schwierig wird es, wenn sich Täter und Opfer kennen, zwischen ihnen eine Art Beziehung besteht.  Wenn der Täter sich im eigenen Umfeld befindet, bedeutet dies auch weitreichende Folgen für das ganze Umfeld. Oftmals können ganze Existenzen und Karrieren zerstört werden und es entstehen tiefgreifende Zerwürfnisse im Umfeld. Machtmissbrauch spielt hier eine große Rolle - was mit ein Grund ist, warum Opfer nichts sagen oder Jahrzehnte lang schweigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen die Opfer von Gewalt wurden traumatisiert sind und sehr lange überhaupt nicht darüber sprechen können. Es braucht sehr viel Mut sich jemandem anzuvertrauen und noch viel mehr, um an die Öffentlichkeit zu gehen.  Ich denke, dass die "#Metoo" Diskussion vielen Menschen den Raum bietet sich mitzuteilen. Es herrscht Solidarität  und Verständnis, was viele Opfer womöglich lange vermisst haben.  Das trägt sicherlich enorm dazu bei, warum sich viele erst jetzt zu Wort melden bzw. ihr Schweigen brechen.

Was kann ich als Oper machen?

Wenn Sie Übergriffe erlebt haben, dann ist es ganz wichtig sich jemandem anzuvertrauen. Schweigen stärkt die Täter zusätzlich noch und animiert sie oftmals dazu weiter zu machen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie es in ihrem Umfeld nicht ansprechen können, holen Sie sich von außen Hilfe. Es gibt sehr gute Beratungsstellen und Einrichtungen, die Ihnen zusätzlich mit juristischem Beistand und Rat zur Seite stehen.

In weiterer Folge sollten Sie sich psychologische Unterstützung holen. Suchen Sie sich einen Psychologen oder eine Psychologin, die speziell für Traumabehandlung ausgebildet ist.

Die psychologische Unterstützung ist sehr wichtig, denn ein Übergriff ist immer auch ein Trauma und kann sich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung ausbilden. ÄngsteSchlafstörungen, wiederkehrende Erinnerungen (Flashbacks), Depressionen und sozialer Rückzug sind die Folgen. Eine Behandlung wird Ihnen dabei helfen mit dem Geschehenen umzugehen! 

 

Wie kann ich Helfen?

Wenn einer Ihnen nahe stehenden Person sexuelle Gewalt angetan wurde, dann können Sie helfen, indem Sie erst einmal zuhören. Nehmen Sie ernst was Ihnen die Person sagt und zeigen Sie Mitgefühl und Verständnis. Menschen brauchen die Gewissheit, dass man Ihnen glaubt und sie nicht für etwas verurteilt, das ihnen angetan wurde.

Der erste und wichtigste Schritt für das Opfer ist das Schweigen zu brechen, die Sprache wieder zu finden und das Geschehene selbst zu verstehen. Weiters können Sie helfen wichtige Information einzuholen und überall dort beizustehen, wo es nötig und gewünscht ist. Diese Hilfestellung ist zugleich auch Hilfe zur Selbsthilfe, denn wenn Menschen wieder ins Handeln kommen, wirkt dies der Hilfs- und Hoffnungslosigkeit entgegen und psychische Stabilität kann aufgebaut werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Amelie (Freitag, 16 März 2018 17:09)

    Super!!!!!! Vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag. Ich dachte nicht, dass ein Missbrauch solche Auswirkungen haben kann, also ich meine im Umfeld. Arg ist das schon, was da mit einem passiert. Dank diesen Beitrag verstehe ich das ganze etwas besser. Ich habe auch gedacht, dass da manche Frauen sich wichtig machen wolltn, aber wenn man alles mitbedenkt, dann verstehe ich das

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